Stoppt Gewalt und Ausbeutung in der Prostitution

Frauen erzählen

Nadja, Marina, Irina, Ilona, Frieda, Tessy, Ronja, Anita, Elena, Georgina und Amalia erzählen:

Wie erlebten Sie Ihre Situation?

„Ich habe einfach die Augen geschlossen. Ich musste alles machen, was die Männer wollten. Mein Unterleib brannte und es ekelte mich bis zum Brechreiz, wenn ich die Fremden küssen oder Oralsex machen musste. Ich habe nicht mehr gelebt, nur noch existiert.“
Nadja, 18 Jahre, aus Bulgarien

„Ich habe immer innerlich geweint und mir war ständig schlecht.
Ich kann heute noch schlecht schlafen und habe schreckliche Erinnerungen.“

Irina, 21 Jahre, aus Rumänien

„Die Mehrheit der Frauen bei uns in der Puffwohnung haben Alkohol getrunken, um arbeiten zu können oder die Arbeit auszuhalten. Sie waren dann verwirrt und ihnen war egal, was sie machen sollten. Die haben dann vorgetäuscht, dass sie Lust haben und bekamen dann auch mehr Geld für besondere Leistungen.”
Ronja, 19 Jahre, aus Ungarn

„Am Anfang ist es mir sehr schwer gefallen. Die Männer waren sehr hart mit mir. Ich habe jetzt noch Bauchschmerzen. Wenn ich zur Toilette muss, tut mir alles weh. Ich musste Sex machen in allen Stellungen. Jetzt bin ich froh, da weg zu sein.“
Georgina, 19 Jahre, aus Rumänien

Warum sind Sie nicht weggelaufen?

„Was willst du machen, der Muskelmann steht vor dir, du musst arbeiten und innerlich weinst du. Es gab keine offenen Drohungen. Aber ich hatte so ein Gefühl, dass was passieren wird, wenn ich nicht gehorche. Es war so eine unterschwellige Bedrohung. Ich hatte Angst.“
Elena, 23 Jahre, aus Bulgarien

„Wenn Du ganz große Probleme gemacht hast, dann wurde geschlagen.“
Frieda, 18 Jahre, aus Moldawien

„Ich hatte Angst, einen Freier, mit dem ich nicht wollte, abzulehnen. Hätte ich das getan, denke ich, dann hätte es sicher große Probleme gegeben. Denn das hätte bedeutet, die Zuhälterin (Madam) verliert Geld.“
Tessy, 20 Jahre, aus Nigeria

„Die Zuhälter haben mir gesagt, ich muss bei ihnen arbeiten, du musst hier bleiben. Wenn ich weggehen wollte, würden sie mich finden.“
Irina, 21 Jahre, aus Rumänien

Wie haben sich die Männer verhalten, die zu Ihnen als Kunden kamen?

„Die Männer sind alle gleich, sie bezahlen Geld für Sex und wollen dann die Leistungen von uns. Sie haben kein Interesse an uns Frauen.“
Anita, 33 Jahre, aus Rumänien

„Den Männern ist alles egal, sie verlangen Sex ohne Kondome. Sie wollen nicht darüber nachdenken, ob sie uns mit Krankheiten anstecken oder selbst krank werden.“
Tessy, 20 Jahre, aus Nigeria

„Wenn ich mich mehr freiwillig gezeigt habe, bekam ich Respekt von den Männern. Aber wenn ich nicht freiwillig wollte, war der Respekt weg, sie machten Druck, wurden böse und forderten unangenehm, was sie haben wollten. In solchen Situationen fühlte ich mich wie ein Waschlappen.
Die Männer sollten wissen, dass wir eine schwere Situation haben. Wenn sie das wissen, müssen sie, denke ich, einen gewissen Respekt vor uns haben und mit uns fair umgehen.“

Ronja, 19 Jahre, aus Rumänien

Hätten Ihnen Kunden helfen können?

„Na klar, wenn ein Mann großes Interesse an einer Frau hat, kann er ihr helfen. Aber für die meisten Männer sind wir scheißegal.“
Elena, 23 Jahre, aus Bulgarien

„Die Männer sollten genau schauen, in welcher Situation sich die Frau befindet. Wenn sie die Möglichkeit haben, müssten sie uns helfen, aus dieser Situation herauszukommen. Aber die meisten Männer wollten nicht helfen, die wollen sich nur befriedigen. Die Männer gehen auch nicht zur Polizei. Sie haben Angst, dass die Ehefrau was erfährt.“
Ronja, 19 Jahre, aus Rumänien

„Ich habe vielen Männern gesagt, dass ich hier nicht freiwillig bin, dass ich hier arbeiten muss. Die glaubten mir nicht und sagten, was machst Du dann hier?
Die Sprache war ein großes Problem, ich konnte sehr wenig Deutsch. Ich habe mit vielen Männern gesprochen, dass ich hier raus will, die haben Angst bekommen und sind weggegangen. Einer hat mir angeboten, er wolle mich heiraten, aber ich habe zu wenig verstanden. Sie verstehen nicht die Sprache, ich habe schnell geweint, sie sind einfach weggegangen.“

Marina, 20 Jahre, aus Ungarn

„Ich bin oft traurig gewesen, aber die Männer haben nicht verstanden warum. Die Männer sollen da nicht hingehen, um Sex für Geld zu bekommen. Sie sollten aufmerksam sein, wenn eine Frau traurig ist und weint, weil sie nicht arbeiten will, aber muss.“
Irina, 21 Jahre, aus Rumänien

„Die Männer hätten was merken können, aber das wollten sie nicht. Und ich habe aus Angst nichts gezeigt. Die Männer hätten dann eine andere Frau haben wollen, die Zuhälter hätten das dann erfahren, und davor hatte ich große Angst, was sie dann mit mir machen.“
Ronja, 19 Jahre, aus Ungarn